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Frankfurt. Die italienischen Momente im Leben lassen sich seit einigen Wochen in der Pizzeria Mille Lire genießen. Wie der Name schon sagt, steht hier der vielfältig belegte Teigfladen im Mittelpunkt. Das allein ist freilich kein Grund, dem neuen Lokal im Ostend einen Besuch abzustatten. Mit guten Pizzas können sich italophile Frankfurter schließlich an vielen Ecken versorgen. „Doch so lecker sie auch sein mögen, hinterher fühlt man sich häufig, als hätte man einen Ochsen verspeist“, weiß Inhaber Antonio Marcellino.

Weshalb sich in seiner Pizza keine Hefe findet. Nicht mal das kleinste Fitzelchen mischt er unter Mehl und Wasser. Diese Komponenten genügen völlig, um einen lockeren Teig herzustellen – einen Sauerteig nämlich. Dafür benötigt er allerdings einige Zeit: „Unser Teig muss mindestens 48 Stunden gehen beziehungsweise gären.“ Doch das nimmt er gerne in Kauf. Schließlich ist Pizza aus Sauerteig bekömmlicher und aromatischer. „Die Leute wissen inzwischen, wie Qualität schmeckt“, betont der Betreiber und gelernte Koch. „Wer mit einem Lokal heute Erfolg haben will, muss seinen Gästen etwas Gutes bieten.“

Eine Kostprobe aus seinem Ofen präsentiert er bereits im Brotkorb: Zu den noch warmen Pizzabrötchen, außen kross und innen weich, braucht es eigentlich keine weitere Vorspeise. Um die cremige Burratina auf würzig abgeschmecktem Rucolasalat mit vielen Kirschtomaten drumherum wäre es aber schade (9,50 Euro). Das übertrifft die in vielen Pizzerien verwendete Supermarktware deutlich. Kein Wunder, dass die Neueröffnung so gut ankommt, bei den Anwohnern genauso wie bei den Bankern der EZB, die sich auf der anderen Straßenseite befindet. „Wir haben zu 99 Prozent positives Feedback“, erzählt der Inhaber.

Dass sich sein Qualitätsanspruch beim Pizzabelag fortsetzt, verrät schon der erste Blick auf die Capricciosa (8,90 Euro): Zu frischen Champignons und Artischocken gibt es kein in Form gepresstes Fleisch, sondern gekochten Schinken vom italienischen Erzeuger Leoncini. Untendrunter finden sich geschmolzener Mozzarella, Tomatensauce und ein dünner Teigfladen – besser geht’s kaum. Gleiches lässt sich von den Spaghetti Carbonara sagen (9,50 Euro), die Marcellino nach traditionellem Rezept zubereitet. Was bedeutet, dass Nudeln, Eier, Käse und Speck ohne Sahne in der Pfanne laden.

Davon können sich die Gäste mit eigenen Augen überzeugen. Schließlich gehört zur neuen Pizzeria eine offene Küche. „Sie ist wie eine Bühne im Theater“, sagt der Betreiber. „Die Leute sitzen davor und können alles beobachten.“ Darauf legt er genauso großen Wert wie auf das passende Ambiente. Sechs Monate waren die Handwerker zugange, um den früheren Thai-Imbiss in die heutige Pizzeria zu verwandeln. „Es war weniger eine Renovierung als eine Sanierung“, so der Inhaber. „Wir mussten Wasser, Elektrik, Boden und Wände erneuern.“ Das Ergebnis ist ein modern gestalteter Gastraum mit dunkelbraunen Holzmöbeln und optischen Anspielungen an die 70er Jahre.

Zu der Zeit lebte Marcellino noch in Italien, und zwar in der Obhut seiner Oma oder Tante. Weil die Familie wenig Geld hatte, jobbte er nach der Schule in einer Werkstatt, wo er einige 1000-Lire-Scheine verdiente. „Das reichte gerade so, um mein Mofa aufzutanken und am Wochenende eine Pizza essen zu gehen. Für mich hängen deshalb viele Erinnerungen an dem Mille-Lire-Schein“. Diesen Erinnerungen hat er mit der gleichnamigen Pizzeria ein kleines Denkmal gesetzt. In Zukunft möchte er hier auch weitere italienische Klassiker verkaufen. Aus der offenen Küche kommen dann nicht nur Pizza und Pasta, sondern auch Gerichte mit Fleisch und Fisch. Obendrein können die Gäste ab nächstem Frühjahr mit einem landestypischen Frühstück in den Tag starten und zu Caffè oder Cappuccino eine Brioche bestellen.

Die Auswahl bleibt aber bodenständig und unterscheidet sich damit von der Speisekarte des Marcellino – also des Restaurants mit Weinbar, das der Gastronom seit 1999 in der Günthersburgallee betrieben hat, bevor er 2011 in die Ostendstraße gezogen ist. Seiner langjährigen Erfahrung verdankt er auch das Engagement als TV-Koch in der Sendung „Hallo Hessen“. Er ist nun mal ein Fachmann für die italienischen Momente im Leben.

 

Pizzeria Mille Lire
Ostend, Sonnemannstraße 71, Tel. 069 94410200, Mo–So 11–23 Uhr, Sitzplätze: 45 innen/20 außen, Küche: italienisch

 

http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Hier-fliegt-die-leichte-Pizza-ohne-Hefe;art675,1746664